Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Jetzt!

Offener Brief an: Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (DIE LINKE) und die Bremer Landesregierung

Auch hier in Bremensteigt die Zahl der COVID-19-Erkrankten weiter an, eine Überforderung des ohnehin schon belasteten Gesundheitssystems steht unmittelbar bevor. Schon zum jetzigen Zeitpunkt mangelt es überall an Schutzausrüstung. So müssen Pflegende z.B. mit nur einer Schutzmaske pro Schicht auskommen, obwohl diese nur für maximal zwei Stunden wirksam ist. Dadurchsteigt für sie die Wahrscheinlichkeit, selbst zu erkranken.

Die aktuelle COVID-19-Pandemie legt schon lang bestehende Fehler im Gesundheitssystem in Bremen, aber auch in ganz Deutschland offen, bei denen jetzt zum Krisenmanagement Handlungsbedarf besteht. Darüber hinaus fordern wir jedoch, dass die Pflege in Bremen auch nachhaltige Verbesserungen erfährt. Deshalb haben wir als Basisgruppe der Linksjugend Solid Bremen 10 Forderungen verfasst, die wir an Sie, die oben genannten Adressat*innen, richten

Prüfen, ob Bremer Unternehmen Schutzausrüstung herstellen können!

Da bereits Lieferungen mit Schutzmaterialien auf dem Weg zu ihrem Zielort verschwunden sind und es momentan weltweit einen gravierenden Mangel an z.B. Schutzmasken gibt, fordern wir, dass umgehend geprüft wird, welche lokalen Unternehmen Schutzmaterialien produzieren können, um Bremische Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auszustatten. Durch eine bessere Versorgung dieser Einrichtungen könnte die Geschwindigkeit der Ausbreitung von COVID-19 etwas verlangsamt werden, was dem Gesundheitssystem wertvolle Zeit verschaffen würde. Zudem könnten bereits erkrankte Patient*innen effektiver versorgt werden.

Eine bedarfsgerechte Versorgung herstellen!

Dazu fordern wir, dass Krankenhäuser bedarfsgerecht und nicht nach einem allgemeinen Maßstab ausgestattet werden. Schutzausrüstung wie bspw. Mundschutzmasken (FFP3-Masken) müssen in ausreichender Menge angeschafft und gelagert werden. Auch weitere Schutzmittel, wie z.B. Desinfektionsmittel müssen in ausreichender Menge als Lagerbestände vorhanden sein, um zukünftig auf Situationen wie die heutige vorbereitet zu sein.

Die Wertschätzung des Berufes durch Verbesserung des Arbeitsklimas bzw. der Arbeitsbedingungen steigern!

Zur Wertschätzung der Pflegearbeit darf es nicht bei einem Applaus bleiben. Wir fordern konkrete Maßnahmen, um die Arbeit angenehmer zu gestalten. Dazu können Powernaps in der Nachtschicht und Sachleistungen, wie die Bereitstellung von Obst und kleinen Snacks gehören. Darüber hinaus müssen die Räumlichkeiten und der Personalspiegel eine Regeneration in den Pausen zulassen.

Alle Aspekte von Pflegearbeit messbar machen!

Um die Situation in den Pflegeberufen nachhaltig zu verbessern, braucht es eine Möglichkeit, die Leistungen in der Pflege messbar zu machen. Beim aktuellen TIS-Score werden Leistungen (in der Krankenpflege) wie Hilfestellungen bei den Mahlzeiten, ein erhöhter Betreuungsbedarf bei einzelnen Patient*innen sowie die Betreuung der Angehörigen nicht berücksichtigt. Dadurch bleibt unsichtbar, wie viel Arbeit Pflegende abseits von medizinischen Maßnahmen verrichten.

Gewinnorientierung im Gesundheitssystem überwinden!

Diese zeigt in der aktuellen Krise ihre Folgen: Material wurde nur auf den vorherigen, vermeintlichen Bedarf abgestimmt und wird knapp, Leistungen werden pauschal nach der Diagnose abgerechnet und nicht nach dem individuellen Krankheitsverlauf der Patient*innen. Wir finden, dass die Gesundheitsversorgung eine Aufgabe des Staates und nicht von privaten Unternehmen mit der Ausrichtung auf Profit sein muss. Denn nur wenn nicht gewinnorientiert gearbeitet werden muss, können die Pflegenden den Bedürfnissen der Patient*innen gerecht werden.

Eine Steigerung des (Einstiegs-)Gehalts!

Ein weiterer zentraler Punkt, um die Pflegearbeit wertzuschätzen und gleichzeitig attraktiver zu gestalten ist das Gehalt des Pflegepersonals. Vor allem in der aktuellen Krise wird deutlich wie wichtig und gleichzeitig schwer die Pflegearbeit in Krankenhäusern, Altersheimen, etc. ist. Diese Arbeit wird noch mehr erschwert durch die Bedingungen,unter denen die Pflegenden arbeiten müssen. Um diesen Missstand auszugleichen, fordern wir, dass das (Einstiegs-)Gehalt für Pflegepersonal deutlich gesteigert wird. Dadurch käme es nicht nur zu einem finanziellen Ausgleich, sondern auch zu einer Attraktivitätssteigerung dieses Berufes. Denn schon seit Jahren leiden viele Stationen an drastischem Personalmangel, der sich in Zukunft (wenn es so weiter geht) noch verschlimmern wird. Deshalb wäre eine (Einstiegs-) Gehaltserhöhung ein Faktor, der mehr junge Menschen für Pflegearbeit begeistern kann.

¾-Stelle bei vollem Lohnausgleich!

Aufgrund der immensen körperlichen und psychischen Belastung, die die Arbeit in Pflegeberufen mit sich bringt, ist es geradezu unmöglich, den Beruf bis zur Rente in Vollzeit auszuüben. Zum Schutz der Pflegenden müssen daher ¾-Stellen bei vollem Lohnausgleich geschaffen werden. Durch eine solche Maßnahme könnte sowohl die Gesundheit der Pflegenden geschont, als auch die Qualität der Pflege verbessert werden.

Renteneinstiegsalter senken und Umschulungen im Alter ermöglichen!

Der Einsatz z.B. auf einer Intensivstation ist schwere körperliche Arbeit und setzt die Pflegenden viel Stress aus, womit dieses Arbeitsfeld zu den schwersten in ganz Deutschland gehört. Deshalb ist es unzumutbar, dass Menschen (Stand 2020) bis zu einem Alter von 67 Jahren in einem solchen Beruf arbeiten müssen bevor sie in Rente gehen können. Deshalb fordern wir die Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard und die aktuell in Bremen regierenden Parteien DieLinke, SPD und Bündnis 90/Grüne auf, sich auf Bundesebene für eine deutliche Senkung des Renteneintrittsalters in Pflegeberufen einzusetzen! Des Weiteren muss es Pflegenden möglich sein, mit zunehmendem Alter an Umschulungen teilzunehmen, durch die sie in andere Bereiche im Gesundheitswesen eingearbeitet werden. Dort könnten sie ihre Vorerfahrungen und ein fundiertes Wissen über die Abläufe in der Pflege mit einbringen.

Wohnheime auf dem Klinikgelände für Azubis anbieten!

Die Attraktivität einer Ausbildung im Pflegebereich ließe sich weiter steigern, indem Wohnheime für Azubis in Kliniknähe eingerichtet würden. Gerade für Menschen von Außerhalb Bremens und finanziell Benachteiligte bedeutet eine günstige Wohnmöglichkeit in der Nähe des Ausbildungsplatzes einen weiteren Anreiz für die Ergreifung eines Pflegeberufes.

Qualität der Pflegearbeit als Standortvorteil begreifen!

Wir sind der Auffassung, dass der beste Weg zur Verbesserung der Pflege für die Patient*innen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals ist. Dies ließe sich auch als Chance begreifen, mit guter Pflege für den Gesundheitsstandort Bremen zu werben. Denn zu einer guten und schnellen Genesung gehören nicht nur gut ausgebildete Ärzt*innen, sondern maßgeblich auch eine gute Pflege.

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