Redebeitrag im antikapitalistischen Block am 1. Mai

Diesen Redebeitrag haben wir auf der Abschlusskundgebung des antikapitalistischen Jugendblocks auf der Demo zum 1. Mai in Bremen gehalten.

Hallo ihr alle!

Wie schön, dass wir heute hier so zahlreich versammelt sind. Auch wenn wir uns nicht alle einig sind, wofür wir an diesem Tag kämpfen, hier und heute haben wir die Gelegenheit nicht nur nach außen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu streiten, sondern auch die Gelegenheit, uns zu streiten. Wir, die wir eine Klasse sein wollen, eine große Gruppe von Menschen, die innerhalb dieses Systems von den gleichen Ausbeutungsverhältnissen betroffen sind und die vermeintlich die gleichen Interessen haben.

Aber: wie sieht die gesellschaftliche Realität aus? Gestern habe ich ihm Radio gehört, über 70% der Arbeitnehmer_innen seien zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Kritik an Arbeitsverhältnissen wird nicht mehr gewagt bzw. die Notwendigkeit nicht mehr gesehen. Denn: Besser irgendeine Arbeit haben als garkeine. Wir haben es verinnerlicht, dankbar zu sein für jedes Bisschen, dass uns dieses System zuwirft. Dafür, dass Menschen sich mit jedem bisschen zufrieden geben, dass ihnen nicht verwehrt bleibt, gibt es Gründe. Sozialer Abstieg, Verlust von Lebensqualität und Perspektiven sind real existierende Konsequenzen, die das System bereit hält, um diejenigen zu bestrafen, die nicht alles geben, um sich so gut wie möglich ausbeuten zu lassen.

Das System spaltet: Es teilt in vermeintlich Nutzlose und vermeintliche Wertvolle, in diejenigen, die kein Recht haben zu arbeiten, weil sie im falschen Land geboren sind und diejenigen, die es wert sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen und sich damit noch einen gewissen Lebensstandard leisten zu können. Diejenigen, die sich freuen sollen, dass vor 100 Jahren ihr Recht auf Arbeit erkämpft wurde, während sie gleichzeitig zuhause den Haushalt und die Kindererziehung schmeißen müssen und diejenigen, die getrost sagen können „stell dich nicht so an“, weil sie von diesem System profitieren und dadurch die Augen auch einfach mal zu machen zu können.

Ein Ergebnis dieser Spaltung: Rassismus, Sexismus, Rechtsruck und die vielen kleinen und großen Ungleichheiten, die unsere Leben jeden Tag durchziehen.

Was wir dann sagen: Unsere Antwort heißt Solidarität! Und ich finde: das ist richtig. Denn: wenn unsere Antwort Solidarität ist, dann heißt das, dass wir zusammenhalten gegen Herrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung. Dass wir versuchen die Widersprüche und Unterschiede, die zwischen uns gemacht werden, zu überwinden. Indem wir uns miteinander beschäftigen, voneinander lernen und verstehen, wie wir dazu gekommen sind in dieser Gesellschaft so verschiedene Erfahrungen und Lebensrealitäten zu bestreiten. Uns unterstützen, wo es notwendig ist, uns solidarisch und konstruktiv kritisieren, wenn wir uns verleiten lassen, ins Denken von Herrschaft und Unterschiedlichkeit zu verfallen.

Also: unsere Antwort heißt Solidarität! Aber ich frage mich auch: Ist sie das wirklich? Wenn ich mich hier umschaue und sehe, dass der DGB, der eigentlich die Vertretung der Interessen der Arbeiter_innen sein will, die Gewerkschaft der Polizei als Hauptredner_in eingeladen hat, dann frage ich mich, was diejenigen, die von Abschiebungen, von Polizeigewalt bei G20 oder den Repressionen bei den Kundgebungen gegen die AfD in den letzten Wochen betroffen sind, sich denken. Die Gewerkschaften der Polizei sind diejenigen, die die Ausweitung der Befugnisse der Polizei mit am meisten abfeiert, teilweise auf einer Linie stehen mit den Forderungen des CSU-Konservativen Seehofer.

Wenn unsere Forderungen aufhören radikal zu sein, wenn wir nur kleine Verbesserungen für wenige, anstatt des guten Lebens für alle, fordern, wo soll denn nun wirklich noch Raum für Solidarität bleiben?? Wenn wir uns auf dieser Welt umgucken und sehen, wie viel Scheiße ständig passiert, muss doch eindeutig sein, dass die einzige wirklich solidarische Antwort ein konsequenz antikapitalistischer, antirassistischer und antinationaler Kampf sein kann! Solidarität heißt ehrlich und radikal sein in den Veränderungen die es braucht! Lasst uns aufhören die Augen davor zu verschließen, lasst uns anfangen selbstkritisch zu sein, wenn wir tausendmal Solidarität sagen und lasst uns wirklich solidarisch gegen dieses Scheißsystem und seine Ausgrenzung und Herrschaft kämpfen!

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