Gina Lisa Lohfink – was ein „Nein“ noch wert ist

– Triggerwarnung: Rape Culture –

Nein heißt Nein. Aber nicht immer und scheinbar nicht, wenn es drauf ankommt, so das Berliner Amtsgericht.

2012 wurde Gina-Lisa Lohfink unter dem Einfluss von KO-Tropfen vergewaltigt, die Tat wurde gefilmt und im Internet veröffentlicht. Gina-Lisa Lohfink stellte Anzeige gegen die beiden Täter wegen Vergewaltigung. In dem Video sagt sie mehrmals deutlich „Nein“ und „Hört auf“. Diese Beweislage reichte dem Amtsgericht scheinbar nicht: Im Laufe des Prozesses stand Lohfink plötzlich selbst als Angeklagte wegen vorsätzlicher Falschaussage da.  Noch absurder als der Prozess, den sie schlussendlich verlor, ist allerdings die Berichterstattung. Der Kanon der Überschriften bewegt sich irgendwo um „Gina-Lisa Lohfink taugt nicht zur Galionsfigur des Feminismus.“ Die Vergewaltigung wird relativiert mit Sätzen wie: „Lohfink, der Name steht für Skandale, die meisten selbst inszeniert.“ (Welt)

Gerade nach der Verschärfung des Sexualstrafrechts und der Silvester-Nacht in Köln, nach dem „Deutschlands Männer“ sich empört haben und selbst der sexistischste Dorfnazi plötzlich Feminist war, überrascht das Urteil des Amtsgerichts.„Nein heißt Nein“ gilt anscheinend nur für „anständige Frauen“. Frei nach „Wenn du so ein Kleid trägst, bist du selbst schuld, wenn du vergewaltigt wirst“ heißt im Fall Gina-Lisa Lohfink plötzlich, wer sich so verhält ist selber schuld und lügt bestimmt. „Das ist nichts Ungewöhnliches. Sie hat schon häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet.“ (Welt) Mit dieser und ähnlichen Rechtfertigungen erfährt sie jetzt statt Solidarität nur Spott und Hohn. Das krasseste Beispiel dabei ist der widerwärtige Atze Schröder Werbespot (siehe PM hierzu:
(solid-hb.de/2016/06/25/vergewaltigungsverharmlosung-als-wiesenhof-werbestrategie/)

„Wir solidarisieren uns weiter mit Gina-Lisa Lohfink und allen Opfern sexualisierter Gewalt“, erklärt Alica Berger, Landesprecherin Linksjugend [’solid] Bremen. „Der Fall Gina-Lisa Lohfink ist nur ein Beispiel von 1000en Vergewaltigungen, die aus Angst vor Verleumdung nicht angezeigt werden.“ Dabei ist längst klar, dass die meisten Frauen ihre Vergewaltigungen nicht zur Anzeige bringen, weil noch immer die gesellschaftliche Vorstellung vorherrscht, eine Vergewaltigung sei nur dann eine „richtige Vergewaltigung“, wenn die Betroffene sich mit Händen und Füßen zur Wehr setzte und der Täter aus einer dunklen Hecke hervorsprang. Immer wieder können wir beobachten, wie Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren, nicht geglaubt wird und sie am Ende manchmal sogar selbst als Schuldige darstehen. „Deswegen halten wir an ‚Nein heißt Nein‘ fest. Wir fordern die konsequente Durchsetzung des neuen Sexualstrafrechts, auch für Gina-Lisa Lohfink.“, ergänzt Klaas Anders, Landesprecher Linksjugend [’solid] Bremen.

Die Schuldigsprechung im Fall Gina Lisa ist jedenfalls ein Hohn auf das Sexualstrafrecht und alle Menschen, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Der Fall zeigt einmal mehr die Existenz patriarchaler und sexistischer Strukturen in Justiz und Gesellschaft.

 

 

 

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2 Gedanken zu “Gina Lisa Lohfink – was ein „Nein“ noch wert ist

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