Die Unterscheidung von sogenannten ‚echten‘ und ‚unechten Flüchtlingen‘ ist rassistisch und antiziganistisch!

Aktuell wird überwiegend Geflüchteten aus dem Balkan – vor allem Sinti & Roma – zugeschrieben, dass sie doch gar keine „echten Flüchtlinge“ seien. Stattdessen gelten sie „nur“ als sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“, welche im Alltag oft auch als „Sozialschmarotzer“ oder „Scheinasylanten“ bezeichnet werden. Besonders problematisch ist, dass große Teile der Gesellschaft – von Pegida, AfD, CDU/CSU bis hin zu SPD und Grünen – sich in dieser Frage einig sind und an dieser Vorstellung festhalten. Inzwischen fordern allesamt eine erneute Verschärfung des „Asylkompromisses“ von1993.Refugees2

Die Bundesregierung plant die Umsetzung der Hauptforderungen von AfD, CSU und Pegida: Sie will Geflüchtete aus dem Balkan noch schneller in die Herkunftsländer abschieben. Legitimiert wird dies durch die – sogar von den Grünen unterstützte – Einstufung der Balkanstaaten als sichere Herkunftsstaaten. Angeblich gebe es in diesen keine Fluchtgründe. Wir halten diese Entwicklung für gefährlich, rassistisch und antiziganistisch. Vor allem Sinti & Roma sind aus unserer Sicht Leidtragende einer Debatte, die ihnen das Grundrecht auf Asyl abspricht und sie gegen Asylsuchende aus akuten Kriegsgebieten ausspielt. Dass Sinti & Roma jedoch noch immer massiver Verfolgung und Ausgrenzung ausgesetzt sind, scheint niemanden zu interessieren. Gerade Deutschland, das für den Tod von Hundertausenden Sinti & Roma während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich ist, sollte an dieser Stelle eine besondere Sensibilität zeigen. Stattdessen scheinen antiziganisitische Vorurteile von „schmutzigen“ und „faulen Sozialschmarotzern“ noch immer tief in der deutschen Gesellschaft und der Politik verankert zu sein.

Damit muss Schluss sein. Die Unterscheidung von sogenannten „echten“ und „unechten Flüchtlingen“ ist rassistisch und antiziganistisch. Es gibt nur Menschen, die flüchten, weil sie einen Grund dazu haben. Seien es Krieg, Diskriminierung oder Armut. Wer Hilfe sucht, muss Hilfe kriegen. Deshalb dürfen weder die Balkanstaaten noch andere Herkunftsländer als sicher eingestuft werden: Auch Armut und sexuelle Identität müssen als Asylgründe benannt werden und Geflüchtete aus verschiedenen Staaten dürfen nicht rassistisch gegeneinander ausgespielt werden.

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