Die andere Seite der Männer-WM – „Die Fassade fällt“

Kurz vor der Veranstaltung „Die anderen Seite der Fussball-WM der Männer“ am Freitag haben wir ein Kurzinterview mit Marcus Kollbrunner aus São Paulo geführt. Marcus wird bei der Veranstaltung noch genauer über die Proteste, die Hintergründe und die Perspektiven berichten.

marcus

Solid: Es wurde viel geschrieben und gesagt darüber, wie tief die Identifikation der Bevölkerung in Brasilien mit der Nationalmannschaft, der Seleção, geht. Kannst du das bestätigen? Warum ist das so?

Marcus: Fussball ist Religion in Brasilien, und ist tief in der Kultur des Landes verwurzelt. Dutzende Millionen verfolgen die Spiele in den Stadien und zuhause, und Millionen von Kindern träumen davon, Fussballspieler zu werden. Gleichzeitig ist der Fussball kommerzialisiert worden, wie im Rest der Welt. Tickets werden immer teurer, so wie die offiziellen Trikots.

Solid: Einige haben kommentiert, dass die sozialen Unruhen während der WM etwas zurückgegangen sind – stimmt das?

Marcus: Es gab viel Opposition gegen die Weltmeisterschaft, die immer stärker wurde, als der Bevölkerung klar wurde, dass Milliarden für Stadien ausgegeben werden, während das Bildungssystem, die Gesundheitsversorgung und der öffentliche Personennahverkehr ein einzige Chaos sind. Aber wir wussten natürlich dass wenn die Weltmeisterschaft losgeht, viele die Spiele verfolgen und die Seleção anfeuern würden. Die Propaganda in den Medien war auch extrem intensiv. Es gab trotzdem wichtige Kämpfe, besonders von der Obdachlosenbewegung in São Paulo, die einen wichtige Sieg errungen hat.

Solid: Beim Spiel Deutschland gegen Brasilien hat wahrscheinlich die ganze Welt am Ende Mitgefühl für Brasilien gehabt. Was glaubst du wird diese historische Niederlage für die sozialen Kämpfe bedeuten?

Marcus: Nach dem Spiel waren die Menschen geschockt, aber ich glaube, dass die Leute jetzt erst recht in Frage stellen werden, warum Milliarden in diese WM gesteckt wurden. Die riesigen Projekte, besonders die neuen Stadien, sind eine Art Fassade, die die soziale Misere der Gesellschaft verdecken sollen. Diese Fassade fällt jetzt. So war es auch mit der Nationalmannschaft: Das starke deutsche Team hat gezeigt, wie schwach die Brasilianische Mannschaft in Wirklichkeit war, trotz aller nationalistischen Propaganda.

Solid: Danke Marcus und bis morgen!

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