250 bei Demo gegen Nationalismus (während der WM)

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Heute haben in Bremen 250 Menschen gegen Nationalismus demonstriert. Die Demonstration stand unter dem Motto „Keine Party für die Nation“. Anlass ist der während der Fußball-WM zunehmend sichtbare Nationalismus.
„Sogar Menschen, die ansonsten mit Fußball nur wenig am Hut haben, fiebern plötzlich mit für die “Deutschen Jungs” und “Unsere Elf”. Für uns ist die Nation jedoch kein Grund zum Feiern.“, so Anna Gerkens vom Bündnis gegen Nationalismus. „Deswegen sind wir heute lautstark in Bremen auf die Straße gegangen. Dabei stießen wir auf großes Interesse und viele positive Reaktionen.“
Nach Auffassung des Bündnisses steht das nationalistische Feiern auf den Fanmeilen einer freien und solidarischen Gesellschaft im Weg. Das Bündnis aus linksradikalen Gruppen dagegen setzt sich nach eigenem Bekunden für eine Gesellschaft ohne Armut, Ausgrenzung und Konkurrenz ein.
Der Zug führte vom Bremer Hauptbahnhof durch die Innenstadt und endete im Ostertorviertel.

Fotos gibts hier: http://dissentimages.wordpress.com/2014/07/06/demo-keine-party-fur-die-nation/
Im Folgenden könnt ihr unseren Redebeitrag nachlesen:
„Es ist WM: Das bedeutet mehr als nur ein sportliches Ereignis: Überall hängen schwarz rot gelbe Flaggen, Menschen fiebern mit, für die deutsche Nationalelf: Nicht Fußball, sondern vorrangig die deutsche Gemeinschaft wird gefeiert. Wem das nicht gefällt, dem wird schnell vorgeworfen, er*sie sei verkrampft und es sei doch toll, dass alle zwei Jahre mal gezeigt wird, dass auch wir „wieder“ stolz auf unser Land sein dürfen.
Stimmt das? Alles gesunder Partypatriotismus? NÖ!
Dieser sogenannte Partypatriotismus ist kein ungefährlicher Stolz oder das bloße Anfeuern eines bestimmten Fußballteams, sondern eine Konsequenz von Nationen, die dafür sorgen, dass bestimmte Menschen ausgeschlossen und gefährdet werden. Damit das kapitalistische System und seine Staaten am Leben gehalten werden können, braucht es Menschen, die sich mit ihrer Nation identifizieren. Das wird über  Medien, Schulunterricht aber auch einfach nur durch Symbole erzeugt.  Indem wir  zum Beispiel. alle mit Deutschlandfahnen wedeln, die Hymne singen oder uns schwarz rot gelbe Schminke ins Gesicht malen, zeigen wir zu welcher  Nation wir gehören und wo unser Platz auf diesem Planeten sein soll. Wir zeigen, dass verschiedene Menschen an unterschiedlichen Orten zu leben haben.
Menschen, die eine bestimmte Nationalität haben, werden außerdem unter dem Motto “Die sind eben so” bestimmte Eigenschaften zugeschrieben.  Hierfür werden Gemeinsamkeiten zwischen Menschen in einem Land betont,  obwohl es Unterschiede gibt und Unterschiede zwischen Menschen  verschiedener Länder betont, obwohl es Gemeinsamkeiten gibt. Die  Konstruktion solcher nationaler Identitäten ist nicht nur blödsinnig,  sondern führt auch zu Vorurteilen und Rassismus, spätestens wenn  beispielsweise von “faulen Griechen” gesprochen wird.
Wo es ein WIR gibt, gibt es auch ein “die Anderen”
Nationalismus oder Patriotismus, das heißt immer auch Ausgrenzung durch Unterscheiden  zwischen Menschen, die der Nation zugehören und “den Anderen”.  Willkürlich wird anhand von Merkmalen wie der Herkunft festgelegt, wer angeblich natürlicherweise deutsch sein darf und wer eben nicht.  Menschen, die es nicht sind, werden abgewertet, beispielsweise durch  rassistische Einwanderungspolitik und Abschiebung von Geflüchteten, der  Einschränkung des Wahlrechts von Menschen ohne deutschen Pass sowie  Alltagsrassismus in all seinen Facetten. Nur wer besonders viel leistet und sich beweist, darf eventuell trotzdem dazugehören. Schon vor der WM wurde beispielsweise diskutiert, ob denn auch alle die deutsche Nationalhymne mitsingen und bei Özil oder Khedira ganz genau hingeschaut, weil sie aus dem Raster  des Deutschen, wie Nationalist*innen sich sie vorstellen, fallen. Der  ehemalige DFB-Präsident Mayer-Vorfelder, der eine Hymnenpflicht fordert,  sagt dazu, “einen “halben Deutschen” darf es eben nicht geben“.  Das zeigt, dass auch im angeblich so modernen deutschen Nationalstolz  völkische Vorstellungen noch immer eine Rolle spielen und Menschen auf ihren “Migrationshintergrund” reduziert werden. 
Nationen sind nicht naturgegeben. Sie sind in der Geschichte entstanden und haben schlimme Nebenwirkungen – trotzdem wird  Deutschland (nicht nur) zur WM gefeiert. Eine Konsequenz der Vorstellung  man sei Teil einer nationalen Gemeinschaft ist, dass dies von den Zuständen, die uns im Alltag eines kapitalistischen Systems begegnen. ablenkt. Von Konkurrenz, Krieg, Armut, Leistungsdruck, schlechter Bezahlung, fehlender Zeit zum  Chillen und Spaß haben. Von diesem Effekt wird gerade in Krisenzeiten  Nutze gemacht, wenn zur Legitimation von Kürzungen „nationale  Interessen“ beschworen werden, zugunsten derer eben alle im Land “den Gürtel enger schnallen” müssen. Das funktioniert vielleicht insofern,  als dass Deutschland auf Kosten anderer europäischer Länder billiger  exportieren kann und für Unternehmen ein attraktiverer  Wirtschaftsstandort wird als konkurrierende Nationen, eine solidarische Gesellschaft und ein schönes Leben für alle erreichen wir dadurch sicher nicht.
Deswegen sagen wir, auch und gerade zur WM: Gegen Ausgrenzung, Armut und Leistungsdruck! Gegen die Nation! Für das schöne Leben!
Für all diejenigen, die Bock auf eine andere Abendgestaltung als WM-Spiele haben, gibts noch zwei Veranstaltungshinweise zu der Situation in Brasilien, den sozialen Missstände, den katastrophalen Auswirkungen der WM und den Kämpfen, die dort stattfinden. 
Wir wollen uns die Situation genauer anschauen und schauen am 8.7. gemeinsam einen Film über Entwicklungen vor der WM in Gröpelingen. Am 11.7. im Lagerhaus um 19 Uhr gibt es via Skype einen Bericht zu den Protesten von einem Aktivisten aus Brasilien.“ 
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