Spontaner Protest gegen die „Eiswette“ und ihren Ehrengast Olaf Scholz

 

Achtung Gefahrengebiet - hier regiert die Polizei

Achtung Gefahrengebiet – hier regiert die Polizei

Schon im 185. Jahr in Folge fand das ‚Stiftungsfest der Bremer Eiswette‘ statt – 185 Mal zu viel. Mehrere hundert Männer, traditionellerweise Kaufleute, Honorationen aus Staat und Institutionen, feiern hier in großer Runde einen patriarchalen Neujahrsempfang. Es gab spontane Proteste linker und antirassistischer Gruppen. 

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Thomas Enders, Konzernchef des Rüstungsriesens EADS, waren dieses Mal als Ehrengäste geladen. Sie stehen sinnbildlich und ganz handfest für Flüchtlingsbekämpfung im Inneren und an den Außengrenzen Europas.

Scholz schiebt ab, weigert sich eine humanitäres Bleiberecht für die Gruppe Lampedusa in Hamburg zu erlassen, überzieht ganze Stadtteile mit verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen, die insbesondere für Menschen ohne deutschen Pass zur existenziellen Bedrohung werden. Zuletzt hatten Scholz und seine extrem rechte Polizeiführung aus der Zeit von Innensenator Schill mehrfach linke und antirassistische Demos angreifen lassen. Mit harter Repression und Paragraphen des Ausnahmezustands („Gefahrengebiete“) sollten Widerstände gegen rassistische Kontrollen und die kapitalistische Inwertsetzung ehemals bunter Quartiere unterdrückt werden.eiswette2

Ehrengast Thomas Enders von EADS, führt den zweitgrößten Rüstungskonzern Europas. Er verkauft beispielsweise Drohnen, Satelliten und hochmoderne Grenzzäune, wie sie bei der Überwachung und Abschottung des Mittelmeers eingesetzt werden. Enders und EADS sind am Tod abertausender Flüchtlinge mitverantwortlich. Denn wo die Überfahrt nach Europa immer leichter auf den FRONTEX-Monitoren entdeckt werden kann, müssen zur Flucht immer neue, noch gefährlichere Routen gewählt werden.

Gegen die Eiswette zu protestieren macht also doppelt Sinn. Einerseits weil die illustren Ehrengäste (wieder: alle männlich) danach ausgewählt werden, ob sie sich im Ausbeuten, Abschotten, Regieren und Unterdrücken besonders hervorgetan haben. Zweitens weil dieses Happening schon von vornherein gestört und abschafft gehört. Wo sich Spitzenvertreter aus Kapital, Staat und Patriarchat zusammentun, kommt definitiv nichts Gutes bei rum. (Darüber täuscht auch die sogenannte Wohltätigkeit der Gäste nicht hinweg: Im Gegenteil ist es nationalistischer Zynismus, wenn die Flüchtlingsbekämpfer vom Mittelmeer 400.000 Euro für die „Rettung von Schiffbrüchigen“ an der deutschen Nord- und Ostseeküste spenden).

Einige dutzend Menschen protestierten in diesem Sinne am Samstag gegen die Festivität. Mit der Einrichtung eines Gefahrengebietes entlang des Congress-Centrums wurden rassistische Polizeikontrollen, Ausgrenzung und Flüchtlingsbekämpfung kritisiert. Diverses Sexspielzeug an den Treppen machte auf den patriarchalen Charakter des Eiswetten-Festes aufmerksam. Die Gäste fühlten sich gestört und genervt, PassantInnen zeigten sich interessiert.

Wir denken: das ist sicher noch ausbaufähig. Und im nächsten Jahr geht der Zirkus (leider) in die 186. Runde.

Am nächsten Samstag steht nun erstmal ein anderes Traditionsevent an, was ähnlich beschissen ist: das zweitägige Militärmusikfestival „Musikschau der Nationen“.

Checkt deshalb:

http://liedvomtod.blogsport.eu/

Advertisements

Ein Gedanke zu “Spontaner Protest gegen die „Eiswette“ und ihren Ehrengast Olaf Scholz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s