Klare antirassistische Spitzenkandidaturen für DIE LINKE bei der Bundestagswahl 2017 – Antrag an den Landesparteitag

In den letzten Wochen und Monaten hat vor allem die Flüchtlingsthematik die politische Landschaft sehr geprägt. Ende letzten Jahres feierte die Union sich für das „schärfste“ Asylrecht seit der Wiedervereinigung. Doch selbst das geht den Meisten nicht weit genug und so erleben wir ständig Forderungen nach weiteren Freiheitseinschränkungen sowie Angriffe auf Grund- und Menschenrechte. Auch die Grünen tragen diese Einschränkungen mit und die AfD ist stärker denn je. Klare Bekenntnisse zu einem solidarischen Asylrecht kommen in der öffentlichen Diskussion praktisch nicht mehr vor, wohingegen die repressive bestehende Politik als „links der Mitte“ rezipiert wird. Die Ausgangslage ist also miserabel.

 
Klare Gegenpositionen und die Versuche linker Interventionen finden in der Öffentlichkeit kaum Gehör. Stattdessen kann sich die Bundesregierung über einen breiten Konsens freuen, der offenen Rassismus nach wie vor verurteilt, doch parallel dazu über rassistische Politik(en) des Staates hinwegsieht. Inmitten dieser erschreckenden Entwicklungen kam es auch innerhalb der Linkspartei vermehrt zu Abwendungen von asylpolitischen Grundsätzen. Seien es Versuche aus dem Saarland, eine rechte Agenda in der Partei salonfähig zu machen, oder dass ein linker Ministerpräsident die Abschiebepolitik verantwortlich mitträgt. In Thüringen wurden alleine dieses Jahr bereits mehr als 200 Rom*nja nach Mazedonien und Serbien abgeschoben. Auch in Brandenburg beteiligt sich DIE LINKE an einer Regierung, die rassistische Politik macht. So wurde 2012 unter der rot-roten Landesregierung in Brandenburg ein Abschiebeknast auf dem Flughafen BER eröffnet.
 

Der Bereich einer humanitären Asylpolitik wird verlassen, wenn vom „beschleunigte[n] Rückführungsmanagement“ (Ramelow) oder von „verwirktem Gastrecht“ (Wagenknecht) gesprochen und damit in den immer weiter vom einstigen Grundrecht auf Asyl abweichenden Diskurs munter eingestimmt wird. Dabei ist die Situation in der Partei widersprüchlich. In ihrer Gesamtheit positioniert sich DIE LINKE in ihren Beschlüssen weiterhin antirassistisch, stimmt gegen die rassistischen Gesetze im Bundestag und hat viele antirassistische Aktive, die auch in der Unterstützer*innenbewegung und antirassistischen Initiativen aktiv sind. Aber der gesamtgesellschaftliche Rechtsruck spiegelt sich auch in der Linkspartei wieder. Absurderweise freuen wir uns inzwischen darüber und loben lautstark, wenn hochrangige Parteimitglieder (noch) nicht jegliche Grundsätze über Bord werfen und eine linke Politik offener Grenzen weiterhin vertreten. Dass wir eine solche Selbstverständlichkeit positiv hervorheben müssen, zeigt die Misere des aktuellen gesamtgesellschaftlichen Zustands.

 
Wir wissen: Die Grenzschließungen sind weder unvermeidlich, noch eine sinnvolle Notmaßnahme, sondern zerstören die Hoffnungen tausender Geflüchteter auf einen sicheren Zufluchtsort. Anstatt Geflüchtete mit der notwendigen Infrastruktur zu empfangen, sehen diese nun an den Grenzen einem ungewissen Schicksal entgegen. Die Politik geschlossener Grenzen verhindert also eine sinnvolle Versorgung, Registrierung und Unterbringung der Menschen und setzt die angrenzenden Länder unter Druck auch ihre Grenzen zu schließen.
 

Eine Willkommenskultur wird auf diese Weise sabotiert. Bodo Ramelow, Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine ignorieren die fatalen Konsequenzen dieser Entwicklung, sowie die schwierige Situation der Geflüchteten, wenn sie auf einen Winterabschiebestopp verzichten und von „natürlichen Kapazitätsgrenzen“ schwadronieren. Der derzeitige asylpolitische Diskurs, liegt nicht an einer faktischen „Überlastung“ des Landes, sondern an rassistischen Einstellungen in weiten Teilen der deutschen und europäischen Bevölkerung. Gerade angesichts des gesellschaftlichen Reichtums kann es keine Obergrenzen geben. Bereits 2015 gab es, ohne Millionärssteuer oder einem höheren Spitzensteuersatz, einen Haushaltsüberschuss von zwölf Milliarden Euro. Auch ist der „faktische Platzmangel“ für manche Regionen eine falsche Behauptung bürgerlicher Medien: 2015 kamen nach neusten Schätzungen ca. 600.000 Geflüchtete nach Deutschland. Auf diese Zahl kommen jedoch 1,5 Millionen leerstehende Wohnungen. Umgekehrt hätte an Orten, wo es diese Wohnungen derzeit nicht gibt, bereits seit Jahren der soziale Wohnungsbau für sozial Benachteiligte, Studierende und andere Gruppen vorangetrieben werden müssen. In den betroffenen Städten fehlen die Wohnungen nicht erst seit die Zahl der Asylbewerber*innen gestiegen ist.
 

Wir wollen keine Linkspartei die nur eine nettere SPD ist, oder sich auf gefährliche Kompromisse zu Lasten geflüchteter Menschen einlässt. Solch eine Politik darf in der Linkspartei keinen Platz haben. Wir fordern eine konsequente Aussprache gegen Obergrenzen und Asylgesetz-Verschärfungen. Wir fordern einen konsequenten Schutz der Geflüchteten vor dem rassistischen und nationalistischen Mob und dessen kompromisslose Verurteilung statt Anbiederungen an AfD Wähler*innen. Will DIE LINKE asylpolitisch glaubwürdig bleiben und ernsthaft gegen die AfD vorgehen, dann darf sie an ihrer Spitze keine Personen aufstellen, die den anderen Abschiebeparteien nichts entgegenzusetzen haben.
 

Antirassistische Grundsätze dürfen auch im Parlamentsbetrieb und für Wahlerfolge keinem Machtkalkül geopfert werden. Wir sprechen uns daher aus aktuellem Anlass vor allem gegen Sarah Wagenknecht als Spitzenkandidatin für 2017 und erst recht als Fraktionsvorsitzende aus.

Weg mit dem Turbo-Abi in Bremen und eine Schule für Alle

tafel

Der Bremer Landesverband der Linksjugend [’solid] begrüßt Niedersachsens Initiative, das soganannte „Turbo-Abi“ ab 2017 wieder abzuschaffen. Diese Initiative ist aus Sicht der Linksjugend ein guter Schritt, um den Druck und den Stress auf Schüler und Schülerinnen wieder zu reduzieren. Es sollte daher auch in Bremen flächendeckend wieder zurückgenommen werden. Landessprecherin Alica Berger fordert deshalb: „Auch die Bremer Politik muss jetzt in die Gänge kommen und schnell nachziehen, damit möglichst wenige Schülerinnen und Schüler unter dieser verfehlten Politik der vergangenen Jahre leiden.“

Rebecca Fischer von der Linksjugend und Bremer Schüler*innenvertreterin ergänzt: „Wir dürfen nicht bei der Kritik am „Turbo-Abi“ stehenbleiben, wenn wir bedenken, dass die Bremer Schulen mit ihrer mangelhaften Ausstattung und ihrem Personalmangel insgesamt in desolatem Zustand sind.“

Wir fordern: Eine gute Schule für Alle. Das Turbo-Abi abzuschaffen ist wichtig. Das alleine reicht uns aber nicht. In Bremen muss das Schulsystem übersichtlicher werden. Darum fordern wir ein Schulsystem für Alle, das die Schülerinnen und Schüler nicht mit Notenstress belastet und diese auch nicht nach Stadtteilen und sozialer Herkunft aussiebt.

 

 

Solidarität im Kampf gegen Erdogan und Islamismus

Widerstand gegen Erdogan

Derzeit findet in der Türkei ein reaktionärer gesellschaftlicher und politischer Umbruch statt. Erdogan wird zunehmend zum Alleinherrscher und wird dabei von vielen Menschen in der Türkei (und in Deutschland) unterstützt. Dieser Entwicklung widersetzen sich vor allem linke und demokratische Kräfte vor Ort, die nicht zuletzt deshalb als Terroristen gelabelt und aus dem öffentlichen Leben verschwinden sollen. Zunehmend werden kurdische, demokratische und linke Aktivist*innen in der Türkei verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Jegliche Kritik und jeder Widerstand soll damit unmöglich gemacht werden. Parallel dazu machen europäische und deutsche Politiker*innen Deals mit Erdogan, um möglichst viele Flüchtende in die Türkei abzuschieben oder gar nicht erst über die Grenzen zu lassen. Hier wird regelrecht ein Krieg gegen Geflüchtete geführt. Die Fakten machen schnell klar, dass sich die EU dabei selbst die Hände schmutzig macht und das Erdogan-Regime in seiner Ausbreitung nur weiter stärkt. Jede Kritik an Erdogan und jede Unterstützung aller fortschrittlichen Kräfte in der Türkei ist daher dringender als je zuvor. Mit Erdogan darf es keine Kompromisse geben.

Solidarität mit Rojava

Neben diesem Widerstand spielt weiterhin die kurdische Befreiungsbewegung im Süd-Osten der Türkei und im Norden Syriens eine große Rolle im Kampf für einen demokratischen Wandel. Im Osten lässt Erdogan ganze Städte zerbomben, in Syrien unterstützt er nachweislich den IS und letzterer mordet im Irak und in Syrien munter weiter, terrorisiert die Bevölkerung und etabliert ekelhafte, islamistische und menschenverachtende Strukturen in der gesamten Region. Auch dagegen gibt es notwendigerweise Widerstand. Vor allem kurdische Truppen kämpfen um die Befreiung ihrer Städte und Dörfer und verteidigen ihre Bevölkerung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Erst vor einige Tagen – am 12.8. – gelang YPG-Truppen die Befreiung von Stadt Manbij vom IS. Auch dieser Kampf ist dringend auf jegliche Unterstützung angewiesen. Wir können von hier aus zwar wenig anrichten, aber wir können unsere stete Solidarität bekunden, können kurdische Interessen hier vor Ort aussprechen und Forderungen verbreiten. Außerdem können wir mit Aufklärung für das Projekt „Rojava“ werben.

Islamismus bekämpfen

Die Bedrohung durch den Islamismus beschränkt sich allerdings längst nicht mehr auf den Nahen Osten. Inzwischen stellt dieser auch für sogenannte westliche Industriestaaten eine greifbare Gefahr dar. Neben IS-Anschlägen in Frankreich und Belgien, wird zunehmend deutlich, dass der IS seine Kämpfer in Europa rekrutiert und dort vor allem perspektivlose Jugendliche für seine Zwecke gewinnt. Hier brauchen wir endlich eine lokale Strategie im Kampf gegen Islamismus und die ekelhafte Rekrutierung junger Menschen durch Islamisten. Für einen solchen erfolgreichen Kampf benötigen wir zunächst das Wissen über die Ursachen. Diese sind vielschichtig und dennoch lassen sich einige nennen. Vor allem junge Migrant*innen, die ständige Ausgrenzung erfahren, die wenig Perspektiven haben und oft in relativ homogenen Stadtteilen aufwachsen, gehören zur Zielgruppe von Islamisten. Da die deutsche und (deutschgeprägte) linke Szene in den betroffenen Stadtteilen oft wenig verankert ist, bleibt uns hier erstmal nichts anderes übrig als sich auf die Erfahrungen von fortschrittlichen Gruppen und Organisationen vor Ort zu stützen und deren Kämpfe und Projekte zu stärken. Dabei handelt es sich in der Regel um andere migrantische Gruppen (z.B. Alevit*innen, Kurd*innen, türkische Linke). Mit diesen Gruppen müssen wir daher verstärkt in Austausch treten und gemeinsame Ideen entwickeln. Auf diese Weise können wir konkrete Projekte und Aktionen vorbereiten, uns gegenseitig stärken und möglicherweise auch bessere Alternativen für benachteiligte und perspektivlose Jugendliche anbieten.

Dieses direkte Handlungspotenzial alleine wird jedoch nicht ausreichen. Langfristig braucht es immer auch die Beseitigung von Armut und Perspektivlosigkeit und damit den stetigen Kampf gegen den Kapitalismus. Es braucht aber auch den konsequenten Kampf gegen Rechtspopulist*innen, Nazis und Rassismus. Nur durch ständige Ausgrenzungserfahrungen fühlen sich junge Migrant*innen überhaupt erst fremd und beginnen, sich gegen die hiesige Gesellschaft zu richten. Daher müssen wir dafür sorgen, dass vor allem junge Migrant*innen Solidarität erfahren und möglichst mit uns gegen den deutschen Rassismus kämpfen, statt in die Fänge von Islamisten zu geraten.Neben den offen dschihadistisch agierenden Organisationen, wie dem Islamischen Staat, stellen aber zunehmend unscheinbarere Verbände eine Gefahr dar. Verbände wie Milli-Görüş oder DITIB weisen ebenfalls islamistische Tendenzen auf und sind zudem stark nationalistisch geprägt. Diese Verbände genießen große Unterstützung und gelten als die zentralen Repräsentanten der muslimischen Community in Deutschland. Auch deren Ausrichtung und deren Akzeptanz muss von uns kritisiert werden.

Was tun?

  • Wir unterstützen hier vor Ort den Widerstand gegen Erdogan und den türkischen Nationalismus
  • Wir bleiben laut, wenn es darum geht, den EU-Türkei-Deal zu kritisieren
  • Wir kritisieren explizit die Waffenexporte aus Deutschland in die Türkei
  • Wir klären über die Zustände in der Türkei und in Rojava auf
  • Wir fordern die Unterstützung fortschrittlicher und gemäßigterer Islamverbände, um den Einfluss von Milli-Görüş und DITIB zu reduzieren
  • Wir vernetzen uns stärker mit fortschrittlichen, migrantischen Gruppen, für die die Auseinandersetzung mit türkischem Nationalismus und Islamismus zum Alltag gehört
  • Wir unterstützen diese Gruppen in ihrem Kampf vor Ort und organisieren gemeinsame Aktionen, gehen gezielt auf Demos (z. B.eine Gegendemo zur Kundgebung von Pierre Vogel und Wutbürgern)
  • Dieser Themenkomplex bleibt vorerst inhaltlicher und praktischer Schwerpunkt unserer politischen Arbeit

Ziel?

Mit dieser Strategie stärken wir den Kampf gegen Islamismus, wir stärken und verbinden Linke und Migrant*innen im Kampf gegen Rassismus und den Kapitalismus. Außerdem machen wir auf die Zustände im Nahen Osten aufmerksam und können den Druck auf deutsche Politiker*innen erhöhen.

Gina Lisa Lohfink – was ein „Nein“ noch wert ist

FotoJet Design

– Triggerwarnung: Rape Culture –

Nein heißt Nein. Aber nicht immer und scheinbar nicht, wenn es drauf ankommt, so das Berliner Amtsgericht.

2012 wurde Gina-Lisa Lohfink unter dem Einfluss von KO-Tropfen vergewaltigt, die Tat wurde gefilmt und im Internet veröffentlicht. Gina-Lisa Lohfink stellte Anzeige gegen die beiden Täter wegen Vergewaltigung. In dem Video sagt sie mehrmals deutlich „Nein“ und „Hört auf“. Diese Beweislage reichte dem Amtsgericht scheinbar nicht: Im Laufe des Prozesses stand Lohfink plötzlich selbst als Angeklagte wegen vorsätzlicher Falschaussage da.  Noch absurder als der Prozess, den sie schlussendlich verlor, ist allerdings die Berichterstattung. Der Kanon der Überschriften bewegt sich irgendwo um „Gina-Lisa Lohfink taugt nicht zur Galionsfigur des Feminismus.“ Die Vergewaltigung wird relativiert mit Sätzen wie: „Lohfink, der Name steht für Skandale, die meisten selbst inszeniert.“ (Welt)

Gerade nach der Verschärfung des Sexualstrafrechts und der Silvester-Nacht in Köln, nach dem „Deutschlands Männer“ sich empört haben und selbst der sexistischste Dorfnazi plötzlich Feminist war, überrascht das Urteil des Amtsgerichts.„Nein heißt Nein“ gilt anscheinend nur für „anständige Frauen“. Frei nach „Wenn du so ein Kleid trägst, bist du selbst schuld, wenn du vergewaltigt wirst“ heißt im Fall Gina-Lisa Lohfink plötzlich, wer sich so verhält ist selber schuld und lügt bestimmt. „Das ist nichts Ungewöhnliches. Sie hat schon häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet.“ (Welt) Mit dieser und ähnlichen Rechtfertigungen erfährt sie jetzt statt Solidarität nur Spott und Hohn. Das krasseste Beispiel dabei ist der widerwärtige Atze Schröder Werbespot (siehe PM hierzu:
(solid-hb.de/2016/06/25/vergewaltigungsverharmlosung-als-wiesenhof-werbestrategie/)

„Wir solidarisieren uns weiter mit Gina-Lisa Lohfink und allen Opfern sexualisierter Gewalt“, erklärt Alica Berger, Landesprecherin Linksjugend [’solid] Bremen. „Der Fall Gina-Lisa Lohfink ist nur ein Beispiel von 1000en Vergewaltigungen, die aus Angst vor Verleumdung nicht angezeigt werden.“ Dabei ist längst klar, dass die meisten Frauen ihre Vergewaltigungen nicht zur Anzeige bringen, weil noch immer die gesellschaftliche Vorstellung vorherrscht, eine Vergewaltigung sei nur dann eine „richtige Vergewaltigung“, wenn die Betroffene sich mit Händen und Füßen zur Wehr setzte und der Täter aus einer dunklen Hecke hervorsprang. Immer wieder können wir beobachten, wie Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren, nicht geglaubt wird und sie am Ende manchmal sogar selbst als Schuldige darstehen. „Deswegen halten wir an ‚Nein heißt Nein‘ fest. Wir fordern die konsequente Durchsetzung des neuen Sexualstrafrechts, auch für Gina-Lisa Lohfink.“, ergänzt Klaas Anders, Landesprecher Linksjugend [’solid] Bremen.

Die Schuldigsprechung im Fall Gina Lisa ist jedenfalls ein Hohn auf das Sexualstrafrecht und alle Menschen, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Der Fall zeigt einmal mehr die Existenz patriarchaler und sexistischer Strukturen in Justiz und Gesellschaft.

 

 

 

Gegen Salafismus und Rechtspopulismus – Für internationale Solidarität!

13698117_1351767268184785_7874938086242567529_o
Kundgebung gegen #Salafismus und #Rechtspopulismus, Bremen, 3.9., 12 Uhr, Hillmannplatz.

Am 03.09 wird in Bremen der fundamentalistische Prediger Pierre Vogel eine Kundgebung gegen den IS halten. Der Anlass dazu ist, dass er Morddrohungen erhalten hat. Bei Pierre Vogel selbst handelt es sich um einen deutschen Konvertit, der dem salafistischen Spektrum zuzuordnen ist. Dieser steht für eine besonders rigorose Auslegung des muslimischen Glaubens. Während seiner Kundgebungen werden oft religiöse (Schlacht)parolen gerufen.

Seine Auftritte sind immer auch Anlass für Rassist*innen aller Couleur ihre Ressentiments gegen „ nicht-deutsche“ Menschen zu verbreiten. Dazu gehören rechte Hooligan-Gruppen und rechte Parteien.

Bei Salafisten und Nazis wollen wir nicht „Das kleinere Übel“ wählen: Wir stehen gegen Menschenfeindlichkeit jeder Art und veurteilen sowohl die Standpunkte von Salafist*innen als auch die von Rassist*innen.

Deshalb rufen wir auf, sowohl gegen den sexistischen und menschenverachtenden Fundamentalismus von Pierre Vogel und seinen Anhänger*innen, als auch gegen den Rassismus von Hooligans und „besorgten Bürgern“ am 03.09 auf die Straße zu gehen!

Organisator*innen:

Basisgruppe Antifaschismus
Linksjugend [’solid] Bremen
Antifaschistische Gruppe Bremen
Kurdischer Verein – Birati e.V.
Kurdistan Solidaritätakommitee
Interventionistische Linke Bremen
AStA Hochschule Bremen
SAV Bremen

Gegen Militärdiktatur und Gottesstaat! Unterstützt die fortschrittlichen und linken Kräfte in der Türkei und Kurdistan!

akp0 akp1Kurze Stellungnahme zum Putschversuch in der Türkei und der Kundgebung türkischer Nationalist*innen und AKP-Fans (UETD) am Bremer Hauptbahnhof am 15. & 16. Juli:

Am 15.07 kam es am Abend zu einem Putschversuch in der Türkei. Eine kleine Gruppe innerhalb des Militärs versuchte die bestehende Ordnung gewaltsam zu stürzen. Anders als bei den Militärputschen der Vergangenheit, die die Türkei 1960, 1971, 1980 und 19akp297 heimsuchten, ging der gescheiterte in den letzten Tagen nicht von der Militärführung aus. Die Putschisten beschossen in der Nacht zum 16.07 das Polizeihauptquartier, die Geheimdienstzentrale sowie das Parlament. Kurzzeitig belagerten die Putschisten den Atatürk Flughafen und den Fernsehsender TRT. Anschließend rief Erdogan seine Anhänger*innen über eine Videobotschaft dazu auf, sich geschlossen gegen die Putschisten zu stellen. Staatlich gelenkte Moscheen verbreiteten diese Aufforderung. Dem Aufruf folgten dann ein großer Teil seiner Anhänger*innen. Es kam zu Übergriffen bis hin zum Lynchmord an vermeintlichen oder tatsächlichen Putschisten. Am Wochenende wurden Büros der Linkspartei HDP angegriffen und alevitische Stadtviertel von bewaffneten Islamisten bedroht.

Wie die kurdische Bewegung richtig feststellt, handelt es sich in der Türkei um einen Machtkampf reaktionärer Strömungen. Antifaschistische Kräfte sollten sich auf keine der Seiten stellen. Vielmehr muss der politische Kampf gegen das AKP-Regime nach dem Putschversuch verbreitert und verstärkt werden, damit Chaos und Gewalt ein Ende finden und eine neue und demokratische Türkei entstehen kann (http://civaka-azad.org/keine-der-konfliktparteien-verteidi…/). Erdogan plant allerdings das genaue Gegenteil, wie wir jetzt bei seinen „Säuberungsaktionen“ sehen können.

Auch hierzulande gingen die AKP-Anhänger*innen auf die Straße und folgten dem Aufruf Erdogans. In der Nacht zum 15.07 versammelten sich viele (junge) Nationalist*innen am Bremer Hauptbahnhof. Auch wurden teilweise Menschen aus Bremerhaven für die spontane Kundgebung mobilisiert. Vor Ort wurden dann nationalistische, militaristische und religiöse Schlachtrufe gerufen. Die Anhänger*innen solidarisierten sich offen und explizit mit Erdogan. Auch ein Landtagsabgeordneter der Bremer SPD nahm an der nächtlichen Pro-Erdogan-Kundgebung teil.

Video der Kundgebung mit entsprechenden Parolen:
https://m.facebook.com/story.php…)

Am 16.07 meldete die UETD Bremen („Union der Europäisch-Türkischen Demokraten“) eine weitere Kundgebung am Bremer Hauptbahnhof an. Um 18 Uhr versammelten sich dann Menschen, um sich noch ein weiteres Mal zu positionieren und Flagge zu zeigen. Tagsüber wurden erneut nationalistische und religiöse Schlachtrufe gerufen. Das Polizeiaufgebot war etwa höchstens 10-15 Personen stark. Wichtig ist hier anzumerken, dass das einfache Sicherheitsleute waren. Dass durch die Gruppe vor Ort eine mögliche Gefahr ausgehen konnte, wurde nicht beachtet. Im Gegenteil: In einem sodann veröffentlichten Artikel des Weser Kurier haben Polizist*innen gemeint, dass die Kundgebung friedlich gewesen sei, obwohl Parolen gerufen wurden, die ähnlich von radikalen Nationalist*innen und Islamist*innen genutzt werden.

http://www.weser-kurier.de/…/bremen-stadtreport_artikel,-De… +
http://www.weser-kurier.de/…/bremen-politik-wirtschaft_arti…

Nationalist*innen haben allesamt dieselbe Sprache: Ausgrenzung, Rassismus und letztendlich Faschismus.

Gegen jeden Nationalismus
Gegen Militärdiktatur und Gottesstaat
Keine Solidarität mit Erdogan
Nieder mit jeder Autokratie

Unterstützt die fortschrittlichen und linken Kräfte in der Türkei und Kurdistan!

Vergewaltigungsverharmlosung als Wiesenhof-Werbestrategie?!

In dem derzeit viral gehenden Werbespot des Fleischproduzenten Wiesenhof greift dieser auf widerlichste Weise den seit Längerem öffentlich diskutierten Vergewaltigungsfall Gina-Lisa Lohfinks auf. Lohfink hat zwei Männer aufgrund einer Vergewaltigung mit Hilfe von KO-Tropfen angezeigt und wurde im Folgenden öffentlich diffamiert und ihrer Anzeige die Legitimität abgesprochen. Der für sexistische Sprüche bekannte Atze Schröder wirft in dem Werbevideo Wiesenhofs mit „Witzen“ über Vergewaltigungen um sich: „Seid ihr bereit für die größte Wurst des Sommers? Danach müssen Gina und Lisa erstmal  in die Traumatherapie.“ Hierdurch wird die Vergewaltigung Gina-Lisa Lohfinks verharmlost und ins Lächerliche gezogen und Täter-Opfer-Umkehr (victim-blaming) als gesellschaftlicher Standard gefördert.

Dieser Satz stellt nur den Höhepunkt eines Videos dar, das ausschließlich aus einer Aneinanderreihung sexistischer Phrasen besteht und somit zur Zementierung von Sexismus in der Gesellschaft beiträgt. Kombiniert wird dieser Ausdruck ekelhafter Werbung mit einem Deutschland-Trikot, das dem Ganzen einen nationalistischen Unterton gibt, mit dem Wiesenhof besonders zu der aktuell stattfindenden Fußball-EM der Männer punkten will.

„Der bereits durch Tier- und Arbeitsrechtsskandale bekannte Fleischproduzent Wiesenhof setzt durch dieses Werbevideo dem ohnehin schon in der Werbung gängigen Chauvinismus die Krone auf. In Gesellschaft und Öffentlichkeit darf sexualisierte Gewalt nicht weiter verharmlost oder lächerlich gemacht werden“ sagt Tim Ruland, Landessprecher der linksjugend [‘solid] Bremen.

„Das Video zeigt erneut, dass Wiesenhof als Hauptsponsor für den SV Werder Bremen nicht zu akzeptieren ist. Grade weil sich die Fanszene des Fußballbundesligisten durch antisexistische und antifaschistische Inhalte auszeichnet, kann ein Unternehmen mit sexistischen und nationalistischen Werbeinhalten kein glaubwürdiger Partner sein. Wir fordern deshalb die sofortige Auflösung des Werbevertrages“ ergänzt Jan Kohler, ebenfalls Landessprecher der linksjugend [‘solid] Bremen.

 

„Wenn aus 80 Millionen ein Team wird…“ Kritische Veranstaltungsreihe zur Männer-EM

Die SJ–Gruppe der Falken Bremen und die Linksjugend [’solid] Bremen organisieren eine kritische Veranstaltungsreihe anlässlich der Fußball EM der Männer 2016.

Die EM beginnt und die Leute haben nichts Besseres zu tun, als mit Fahnen ihre nationale Identität zur Schau zu tragen. „Partypatriotismus“ erfüllt das ganze Land und auf dem Spielfeld steht augenscheinlich nicht irgendeine Mannschaft – sondern dort stehen „wir“.

Plötzlich spielen gesellschaftliche Widersprüche und soziale Ungleichheit in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr. Dies beweist zum Beispiel der französische Präsident, der die EM instrumentalisieren will, um den aktuellen Streiks und Protesten in Frankreich den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Auch die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist heute eigentlich kein off-topic mehr, doch zeigt sich im Fußball ein anderes Bild.

„Der „Shitstorm“ den Claudia Neumann als erste weibliche EM-Kommentatorin über sich ergehen lassen musste, zeigt wie es tatsächlich um die Gleichberechtigung im Fußball steht“, so Maren Beuchers von der Linksjugend.

Mareike Hensel von den Falken ergänzt: „Das Totschweigen der sozialen Proteste in Frankreich, zunehmende nationalistische und sexistische Vorfälle auf Fan-Meilen und herumwütende Hooligans bestätigen uns schon nach wenigen Tagen. Es gibt keine Alternative zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Nationalismus, Sexismus und Homophobie im Fußball.“

Mit diesen und weiteren Fragen setzen wir uns in der Veranstaltungsreihe „This one´s not for me“ auseinander. “ Erklärt die Sprecherin der SJ-Guppe die Falken Bremen.

Termine:

19. Juni 16 um 19Uhr im Paradox (Bernhardstr. 12) in Bremen: „Schwule Fotzen?! Sexismus, Homophobie und Selbstermächtigungsstrategien im Fußball“ Mit einer Vertreterin den Netzwerks F_in – Frauen im Fußball,

23. Juni 16 um 19Uhr im Paradox (Bernhardstr. 12) in Bremen: „Wenn aus 80 Millionen ein Team wird“ mit Thorsten Mense

4. Juli 16 um 19Uhr in der Buchte in Bremen: „Politik in der Kurve – von Antifaschismus und Antidiskriminierungs Arbeit im Fußball“ mit Aktiven aus der Bremer Fanszene

Gemeinsame Presseankündigung der SJ – Die Falken Bremen und der Linksjugend [’solid] Bremen vom 15.6.2016

„This one´s not for me!“

Gemeinsam mit unseren Freund*innen der Sozialistische Jugendgruppe – SJ – Falken Bremen organisieren wir insgesamt drei Veranstaltungen, die sich kritisch mit der Europameisterschaft, Nationalismus und Sexismus im Fußball auseinadersetzten!

Auch diesen Sommer kennen die Medien nur ein Thema: Die ‪#‎Europameisterschaft‬ der Männer. Neben diesem sportlichen Großereignis wird es wenig Platz geben. Beiträge zu politischen Themen werden erfahrungsgemäß in den Kommentarspalten platz nehmen müssen. Die Städte werden im Fahnenmeer versinken und die Produkte im Supermarkt kennen nur noch drei Farben: Schwarz Rot Gold. In den Kneipen treffen sich die Fußballfans, bunt geschmückt in „ihren“ Farben und werden „endlich mal wieder stolz auf ihre Nation sein dürfen“. Beim Publicviewing werden Macker, Nazis und „besorgte Bürger“ mit „normalen“ Fußballfans Seite an Seite stehen und um „ihre“ Mannschaft bangen. Letzte Woche noch standen sie bei einer Pegidademo auf verschiedenen Seiten, doch wenn Löwi’s Jungs auf den Platz laufen, taumeln alle im nationalen Fieber.

Weiterlesen

Spenden Projekt Seehilfe

Hallo liebe Menschen, 
Wir sammeln für die Sizilienfahrt der Gruppe „Projekt Seehilfe e.V.“ Spenden. 
Das Projekt Seehilfe kümmert sich um geflüchtete Menschen, die in Sizilien ankommen.
Hierfür werden folgende Dinge benötigt:
Enge Unterhosen, schwarz in Größe S und M (Neuware)
Zahnbürsten (Neuware)
Duschgel (Probengröße)
Abgegeben werden können sie am 05. April und dem 12. April von 18.30 Uhr bis 21.00 Uhr 
im „Links-Treff“ Friesenstraße 6, 28203 Bremen.
Liebe Grüße,
Solid Bremen